Es is(s)t zum Verrückt werden – die aberwitzige Kolumne
Es grenzt an Untertreibung, wenn ich sage „Ich bin ein schwieriger Esser.“
Seit Jahren setze ich – unserem Alltag und dem Familienleben angepasst – die traditionelle Ernährung um. Naturbelassene, vollwertige und nährstoffreiche Lebensmittel. Es könnte nicht einfacher sein, möchte ich meinen. Aber viele sehen ihr täglich Brot in einem völlig anderen Licht. Und fühlen sich durch mich nur zu oft auf den Schlips getreten …
Ich erinnere mich noch sehr genau daran, als mich jemand zum Essen bei seiner Uroma einlud. „Sie macht den besten Frankfurter Kranz. Allerfeinste Buttercreme und Krokant. Und sie gibt sich heute sicher besonders viel Mühe, wenn du dabei bist.“ Ich schlucke bei dem Gedanken, versuche mich jedoch zu entspannen. Als wir bei besagter Uroma am gedeckten Tisch sitzen, fällt mir jegliche Farbe aus dem Gesicht. „Es gibt feine Lachstörtchen mit Meerrettichfrischkäse, dazu allerlei Hausgemachtes und natürlich – Frankfurter Kranz.“
Selbstverständlich war ich dankbar für dieses herrlich kredenzte Essen! Aber das Ergebnis meines kurzen Scans ließen meinen Kopf explodieren:
Weißmehlfladenbrot mit Zusatzstoffen wie Feuchthaltemittel, Phosphate und Zucker.
Dazu gab es Räucherlachs aus Antibiotika Aufzucht auf einem Carrageen-Meerrettich-Schmaus mit entzündungsfördernden Rapsöl, Zucker, Stabilisatoren, fragwürdigen Antioxidationsmitteln und Dill. Der übrig gedeckte Tisch ließ mich ebenso verzweifeln. Und die Uroma verzweifelte ebenso an mir.
„Ich… ich kann das nicht essen.“ stammelte ich nur hervor*. Die gerümpfte Nase und der verachtende Blick sprachen Bänder. Sie gab mir einen Brotkorb und Marmelade. Ich überlegte nicht lang und schmierte mir schweigsam ein Brot, um die Stimmung nicht weiter ins bodenlose zu ziehen. Währenddessen ließen es sich die anderen Familienmitglieder schmecken.
Dann kam das Finale – der hochgelobte Frankfurter Kranz. Ein wahrer Familienschatz! Den ließ ich natürlich nicht stehen, jedoch verneinte ich weitere Stücke. Sehr zum leid meiner geschätzten Gastgeberin. Sicher waren all diese vermeintlichen Köstlichkeiten mit Liebe zubereitet – aber zum Nachteil der anssässigen Mitvernichter. Der Kranz schien ebenso aus der Welt der Fertigprodukte zu stammen, wie das übrige Mahl. Der Krokant stammte aus der Packung, genauso wie die Buttercreme mit Fertigpulver und weißem Zucker angerührt wurde. Der trockene, vor Backpulver strotzende Rührteig gab entweder eine uneinsichtige Bäckerin oder eine schlechte Wahl der Fertigmischung preis.
Wie dem auch sei, ich lasse mich (immer noch) zu oft verrückt machen, wenn wir zu Gast sind. Einfach weil mir gute, naturbelassene Lebensmittel mit den Jahren unheimlich wichtig geworden sind. Und es ist zum verrückt werden, wie wenig Menschen wert darauf legen! Es ist eine Investition in ihre Gesundheit – und diese sollte jedem Mensch eine Priorität sein.
Zuhause, behaupte ich, bin ich ein „einfacher Esser“. Ein Glas frische, kalte Rohmilch mit einem knackigen Stück Obst aus der Region und eine Scheibe gebuttertes Sauerteigbrot. Herrlich, diese Einfachheit.
*Essen verneine ich nie aus nicht-gefallen, erwähne ich dazu. Es gibt nur wenig, was ich nicht probiere. Jedoch kann ich es weder mit meiner Verdauung, noch mit meinem Hautbild vereinbaren. Durch jahrzehntelange (!) Falsch-Ernährung sollte ich mir nicht zu viele Ausnahmen genehmigen.