Mein Weg zu einer selbst bestimmten Schwangerschaft Teil 1 – Vorgeschichte
Wie wir geboren werden hat einen enormen Einfluss auf unser Leben. Ebenso die Gefühle, welche wir als werdende Mutter (zum ersten Mal) erfahren, sobald der Teststreifen oder das innere Bauchgefühl „positiv“ melden. In diesem Beitrag erzähle ich Euch über meinen Weg zu einer selbst bestimmten Schwangerschaft.
Vorgeschichte
Es rauscht, dann knistert es. Dann rauscht es weiter und mein Gegenüber legt die Stirn in Falten. „Es versteckt sich heute, aber wir finden es sicher noch – „, da bubbert es plötzlich eifrig im Gerät und das Stirnrunzeln glättet sich. „Schön, da ist das Herz. Sie bleiben jetzt eine halbe Stunde hier liegen. Entspannten Sie sich.“ Die nette Hebamme schließt die Tür hinter sich, dann bin ich allein mit meinem Bauchwunder und diesem Gerät. CTG heißt es. Eifrig (Synonym) kritzelt es bunte Fäden auf das Papier. In meinen Bisherigen Untersuchungen gab es nie eine Beanstandung. Außer:
Mein Kind ist für die berechnete Woche zu klein, laut dem Ultraschall.
Die Proportionen sind nicht korrekt ausgebildet, laut der Feindiagnostik.
Nach einer 1-Wöchigen Infusionstherapie im Krankenhaus hat es zugenommen (3. Trimester), aber es wird eine Frühgeburt werden, laut der Ärzte.
Wenn ich die weiteren, strengen Kontrollen nicht wahrnehme, wird es per Kaiserschnitt geholt, so erneut in einer Sprechstunde der Feindiagnostik.
Ich bin in den letzten Wochen vor dem E.T. gestresst und verzweifelt. Es gab keine Aufklärung darüber, wie ich das Wachstum meines Babys unterstützen kann und wie ich dabei meine eigene (psychische) Gesundheit nicht aus den Augen verliere. Warum ist Babys kriegen mit so viel Ärztekram verbunden? Die ständigen Termine, häufige Ultraschalluntersuchungen und stilles herumliegen bei CTGs frustrieren mich, denn durch die Kontrollen verändert sich meines Erachtens nach überhaupt nichts. Außer dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme, weil ich mir nicht zu helfen weiß und es anscheinend auch keine Lösung dafür gibt.
Mein damaliger Partner kauft mir aus einer Verzweiflung heraus haufenweise Schokolade und Wassermelone, damit aus unserer unterentwickelten Frühgeburt ein überfressenes Baby und Gestationsdiabetes werden. Zu etwas anderem ist die „Ernährungsumstellung“ nichts nütze. Das Ende der Geschichte?
Einen Moment noch, bitte. Ich möchte kurz zurück zum Anfang spulen.
Das 1. Trimester bahnte sich für mich aus der Kalten an. Kinderwunsch war da – aber jetzt schon? Dann schmerzten die Brüste, sie wuchsen sogar. Ich hatte oft Infekte und war müde. Dann ein Teststreifen, nachdem auch die 2. Periode ausblieb. Wir freuten uns. Erst in der 14. Woche hatte ich den 1. Ultraschall. Alles drin, alles dran. Wunderbar!
Blauäugig wie ich war, befand ich mich auf Wolke 7. Ein Baby – und das in meinem Bauch! Zuhause wird es geboren. Hier, in der gemütlichen Badewanne. Dann kuscheln wir uns ins große Bett nebenan und schlafen stillend ein. Ja, so wird es sein.
Ende der Geschichte? Wir hatten einen unromantischen Termin zur Einleitung. Die Luft war raus, wurde doch bereits vor Monaten (!) eine Frühgeburt deutlich vorausgesagt. Nun waren wir bei E.T. + 10 Tage. Obwohl mir die Ärztin die Entscheidung überließ, weiter zu warten, wollte ich die Einleitung. Nach 24 Stunden im Krankenhaus mit emotional wechselhaftem Schichtwechsel, fragwürdigem Essen und Placebo – Schmerzspritze wurde meine Kleine in Rückenlage „natürlich“ und „spontan“ geboren. Fast 3 Kilo, nur ein Labienriss, sonst alle pupsmunter. Außer mein Partner – der war absolut schockiert über die geballte Kraft und Ausdruck einer Geburt. Ich stillte mein Baby und knöpfte es mir sogleich an den Körper – das Tragetuch war für mich nun ein natürlicher Alltagsbegleiter. Das Freunde – Taxi wartete bereits draußen auf uns. „Oh, Sie bleiben nicht für das Wochenbett bei uns?“. „Nö, da alles i.O. ist, fahren wir nach Hause.“. So ließen wir die Hebamme etwas verdutzt stehen. Die U1 wurde natürlich noch vor Ort erledigt.
Zuhause folgten dann die vielen, vielen Veränderungen des Alltags und meines Körpergefühls mit Baby. Rückblickend hätte ich besonders in dieser Zeit der Erholung, Regeneration und sich an das Zusammen-sein-gewöhnen mehr auf mich – auf uns – Acht geben sollen.
Mehr dazu im zweiten Teil.